Methodentraining an der Lessingschule
„Gibst du einem Mann einen Fisch,
nährt er sich einmal.
Lehrst du ihn das Fischen,
nährt er sich das ganze Leben“
Unbekannter Verfasser
Eine wichtige Zielsetzung unserer Arbeit in der Grundschule lautet, die Schüler zu selbstständigem Tun anzuregen und sich Lernstoffe zunehmend auch individuell und eigenverantwortlich anzueignen. Viele neuere Lehrmethoden wie Stationenlernen, Wochenplan und Werkstattarbeit haben daher bereits Einzug in unseren Schulalltag gehalten.
Damit dieses eigenverantwortliche Lernen jedoch effektiv sein kann, benötigen unsere Schüler zunächst das Handwerkszeug, d.h. sie müssen Methoden erlernen, um die Lernangebote für sich nutzen zu können.
Anders ausgedrückt, unsere Schüler sollen das Lernen lernen! (siehe mehr...)
Dabei geht es um Methoden der Arbeits-, Zeit- und Lernplanung, Methoden der Informationsgewinnung und -erfassung sowie um Methoden der Informationsverarbeitung und –aufbereitung.
Was bisher an der Lessingschule geschah:
Im November 2003 ging es bei uns mit dem Methodentraining los. Zunächst mussten natürlich auch wir Lehrer geschult werden. Dazu gab es einen pädagogischen Tag, an den sich eine komplette Trainingswoche zu den Methoden anschloss.

Es wurden Trainingsspiralen zu Methoden wie „Schneiden und Kleben“ , „Effizientes Lesen“ oder „Herstellung von Themenplakaten“ zunächst gemeinsam geplant, am nächsten Tag in den Klassen durchgeführt und anschließend reflektiert.
Nach dieser Trainingswoche gab es noch einmal einen theoretischen Tag für das Kollegium, an dem uns die Referentin Frau Röttger weitere wichtige Tipps geben konnte. Am Ende dieses Tages erstellten wir ein Methodenkonzept für unsere Schule.

Das heißt: In jedem Schuljahr werden zwei Methoden intensiv eingeführt und in den weiteren Schuljahren „gepflegt“, also immer wieder bewusst gemacht und geübt.
Seit der Erstellung unseres Konzepts hat es bereits drei weitere Trainingseinheiten gegeben, bei denen in allen Klassen jeweils eine Methode trainiert wurde. Beispielsweise haben die Kinder der jetzigen Klasse 2 sich bisher mit den Methoden „Umgang mit der Schere“, „Heftgestaltung“ und „Umgang mit dem Lineal“ intensiv auseinandergesetzt.
Bei der Durchführung der Trainingsspiralen geht es zunächst darum, die Kinder für die entsprechende Methode zu sensibilisieren.
Im zweiten Schritt überlegen sie sich Tipps, die dann auf einem Plakat festgehalten werden.
Anschließend erfolgt eine Übungsphase, in der dann die erarbeiteten Tipps berücksichtigt werden sollen.
Ein Beispiel zur Heftgestaltung :
Im ersten Schritt werden verschiedene Heftseiten an die Tafel geheftet. Die Kinder entscheiden durch das Anbringen von Klebepunkten, welche Seite ihnen am besten gefällt.
Anschließend erhalten die Kinder selbst eine Aufgabe zur Heftgestaltung. Gemeinsam mit einem Partner besprechen sie, warum sie die Seite so gestaltet haben.
In einem Museumsgang werden alle Heftseiten betrachtet, und es wird abermals entschieden, welche Seite am besten gefallen hat.
Dann erarbeiten die Kinder selbstständig Kriterien, wie eine schöne Heftseite aussehen soll. z.B.
Ich schreibe schön.
Ich lasse einen Rand.
Oben rechts steht das Datum.
Diese Kriterien werden auf einem Plakat notiert. Sie können und sollen im Laufe der Schulzeit noch erweitert werden.
Zum Abschluss dieser Trainingsspirale erhalten die Kinder noch einmal eine Aufgabe, bei der sie die erarbeiteten Kriterien berücksichtigen sollen. Mit einem Partner wird anhand eines Reflexionsbogens reflektiert.
Die ersten Schritte, damit unsere Schüler nicht nur den vorgeschriebenen Lernstoff, sondern auch das Lernen lernen (siehe mehr...), sind also getan. Es werden aber noch viele Trainingseinheiten in den Klassen folgen müssen, und auch die Pflege der bereits eingeübten Methoden muss ein wichtiger Bestandteil unseres Unterrichts werden bzw. bleiben.
Für diejenigen, die das Thema interessiert, zum Abschluss noch ein Buchtipp mit vielen praktischen Anregungen: „Methodenlernen in der Grundschule“ von Heinz Klippert und Frank Müller.